Mirko Dölle

– Journalist –

Wir basteln uns ein Rotkreuz-Motorrad
Sprühfolie funktionert eben nicht nur auf Felgen

Für das Open Flair 2014 verwandelte ich meine weiß-rot-blaue Afrikanerin erstmals in ein Rotkreuz-Motorrad. Natürlich nicht dauerhaft, ich wollte meine Afrikanerin ja nicht dem Roten Kreuz schenken, sondern es nur vorübergehend für das Event nutzen. Dazu habe ich den blauen Tank und die Seitenabdeckungen mit Spühfolie von Foliatec weiß lackiert und benutzte das Motorrad dann als Dienstmotorrad auf dem Open-Flair-Campingplatz – der ideale Ort für eine Enduro. Da erwies sie sich als sehr nützliches Erkundungs- und Führungsfahrzeug.

Strpitease

Ein Rotkreuz-Motorrad hat natürlich rot-weiß lackiert zu sein, schon ganz und gar, wenn es offiziell dienstlich genutzt werden soll. Das geht mit einer überwiegend blauen Maschine natürlich schlecht:

 

Ich hatte Glück: das weiße Schutzblech vorne und den weißen Bürzel hinten brauchte ich nicht zu verändern, und auch die rote Motor- und Tankverkleidung passt farblich gut ins Bild. Der blaue Tank und die blauen Seitenteile gehen so natürlich gar nicht, also mussten diese lackiert und somit abgebaut werden:

 

Abgeklebt und Feuer frei

Den Tank und die Seitenteile habe ich mit Alkohol gereinigt und dann Bereiche wie die Tanköffnung und die Halterungen für die vordere Verkleidung sauber mit Maskierband abgeklebt. Das Maskierband sollte eine gute Qualität haben, hier zu sparen rächt sich, wenn später die Folie an den Rändern unter das Band kriecht und sich – wegen zu geringer Deckung – nicht wieder abziehenlässt.

Danach geht es ans Lackieren, ich habe dafür das Foliatec Sprüh Folien Set in weiß für damals 39,90 Euro genommen. Verguckt euch nicht bei der Lackmenge: für den Tank habe ich volle zwei Dosen Sprühfolie gebraucht, für die Seitenteile letztlich mehr als eine. Entscheidend ist, dass ihr mehreren Schichten kurz hintereinander auftragt und dabei nicht zu lange wartet.

Die erste Schicht deckt nicht völlig, man sieht die ursprüngliche Farbe noch durchschimmern. Lasst die Sprühfolie etwa drei bis fünf Minuten antrocknen, aber nicht völlig trocken werden.

Dann kommt gleich die zweite Schicht, sie löst die erste leicht wieder an und wird komplett deckend aufgetragen. Und wieder lasst ihr die Folie 3-5 Minuten trocknen.

Die dritte Schicht deckt letzte dünne Stellen und baut die Foliendicke auf. Das ist entscheidend, denn ihr benötigt mindestens drei, besser vier Schichten Folie, damit sie sich später wieder am Stück abziehen lässt. Wer zu sparsam ist und meint, zwei Schichten wären auch genug, wird seine Überraschung dann erleben, wenn er die Folie zu entfernen versucht. Das geht dann nur noch mit Lösungsmitteln.

Ich habe deshalb nach ein paar Minuten Pause noch eine vierte Schicht Folie aufgetragen. Am Anfang ist es etwas schwierig, zu erkennen, ab wann sich Tropfen bilden, mit der Zeit seht ihr schon an der noch feuchten Oberfläche, ob sich gleich eine Lacknase bildet oder ob ihr noch etwas Lack auftragen könnt. Bildet sich eine Lacknase, saugt sie möglichst früh mit einem Zipfel Küchentuch auf, damit sie nicht über die komplette lackierte Fläche läuft.

Maskierband entfernen

Sobald ihr die Sprühdose abstellt, müsst ihr bei noch feuchtem Folienlack möglichst früh das Maskierband wieder entfernen. Als Vorsichtsmaßnahme solltet ihr außerdem ein Cutter-Messer oder ein Skalpell bereitliegen haben.

Der Hintergrund ist, dass die Sprühfolie über die Kante des Maskierbands hinweg eine Fläche bildet. Zieht ihr das Maskierband erst später ab, wenn die Folie bereits trocken ist, so zieht ihr die gesamte Lackfolie herunter. Im feuchten Zustand passiert das üblicherweise nicht – und falls doch, durchtrennt ihr das Stück Sprühfolie mit dem Skalpell.

Die Kohäsionskraft der Sprühfolie über Kanten hinweg garantierte auch, dass Aufkleber wie auf den Seitenteilen meines Motorrads drauf bleiben konnten und trotzdem unter der Lackfolie verschwanden. Das Ergebnis nach dem Zusammenbau kann sich sehen lassen:


Später habe ich dann noch Aufkleber entweder direkt auf die Lackfolie oder auf Magnetfolie geklebt.

Haftungsfrage

Eine häufig gestellte Frage ist, wie gut die Sprühfolie hält. Sehr gut, muss ich sagen, man kann die Maschine bedenkenlos mit einem Hochdruckreiniger abspritzen, da passiert nichts. Ich konnte sogar die Rotkreuz-Aufkleber von der Folie wieder abziehen, ohne dass sie sich vom Originallack löste.

Einige Monate später zog ich die Folie wieder ab. Das Hauptproblem dabei war, einen Anfang zu finden, um die Folie dann in großen Stücken abzuziehen. Gerade in den dünneren Bereichen klappte das nicht so gut. Sprühnebel ist der größte Albtraum, der lässt sich nur mit Lösungsmittel wieder loswerden.

Abgezogen

Am Anfang der Flüchtlingskrise lackierte ich die Maschine im August 2015 erneut zum Rotkreuz-Motorrad um. Diesmal blieb sie für fast zwei Jahre im Rotkreuz-Look, bevor ich sie im Juli 2017 wieder zurückverwandelte:


Die Seitenteile erwiesen sich als relativ widerspenstig, weil die Folie an den Kanten der Aufkleber und bei den Vertiefungen immer wieder riss. Trotzdem ließ sich sich komplett entfernen:


Beim Tank war es noch einfacher, hier zog ich die Folie in großen Fetzen mühelos herunter. Es war nicht einmal notwendig, dazu den Tank auszubauen. Problematisch war hintegen die Tanköffnung, dort ging es nur Fitzelchen für Fitzelchen voran:


Zum Schluss habe ich Tank und Seitenteile noch mit Alkohol abgerieben, um letzte Fitzelchen zu entfernen. Seit dem erstrahlt meine Afrikanerin wieder in ihrer Orignallackierung:

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