Mirko Dölle

– Journalist –

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Mehr Power für den Kofferraum
Die Stromversorgung für mein Akku-Ladegerät

Die meisten Modellflieger, ob sie nun Verbrenner oder Elektromodelle fliegen, laden ihre Empfänger- oder Flugakkus erst unmittelbar auf dem Flugplatz. Dabei verwenden sie mitunter die abenteuerlichsten Methoden, um ihr Ladegerät anzuschließen: Ein Großteil muss das Auto so abstellen, dass sie das Ladegerät bei offener Motorhaube direkt an die Batterie anklemmen. Andere haben sich ein besonders langes Kabel zum Zigarrettenanzünder gebastelt und legen dann das Ladegerät in den Fußraum oder neben das Auto, wo schnell jemand drüber stolpert.

Bei meinen bisherigen Autos habe ich stets ein Stromkabel direkt von der Batterie in den Kofferraum gelegt, so kann ich schon auf der Fahrt die Akkus laden und brauche nicht jedes mal umständlich an die Batterie heran. Der Kofferraum des Elchs ist dafür optimal geeignet: Das Ladegerät kann nämlich im Ablagefach auf der linken Seite verschwinden, wenn es nicht gebraucht wird, im Ladebetrieb liegt es einfach offen im Kofferraum. Allerdings benötige ich Dauerspannung im Kofferaum, die ich aber nicht von der Zentralverriegelung abgreifen will – letztere ist nur mit 15A abgesichert, das könnte eng werden, wenn ich während ein Akku lädt den Wagen absperre. Es sollen also zwei 1,5-mm²-Kabel von der Batterie direkt in den Kofferraum gelegt werden, mit einem Flachsicherungshalter und 15A-Absicherung im Batteriefach.

Nachdem ich kein Freund von Freiluftverdrahtungen bin, die etwa vom Beifahrer-Fußraum über den Rückspiegel zur Heckklappe laufen, kam nur eine ordentliche Unterflurmontage in Frage – am besten in den vorhandenen Kabelkanälen der A-Klasse. Die Kabelkanäle verlaufen unterhalb der Vordersitze und entlang der Einstiegsleisten bis hinten in den Kofferraum. Es ist jedoch nicht ganz einfach, die Kabelkanäle freizulegen, Mercedes Benz hat sich viel Mühe gegeben, sie zu verstecken.

Zuerst müssen alle Sitze raus. Bei der Rücksitzbank ist dies kein Problem, einfach umklappen, aufstellen und über die Hintertüren herausnehmen. Die Vordersitze meines Elchs sind beide fest verschraubt. Hier ist erst der Beifahrersitz fällig, nachdem man den orangen Stecker an der rechten Sitzschiene herausgezogen hat, schraubt man die vier Torx-Schrauben mit einer E12-Torx-Nuss oder einer herkömmlichen 10mm-Sechskant-Nuss heraus. Den Sitz stellt man dazu am besten in die Mittelstellung, so dass die Sitzschienen-Verkleidung vorne bündig mit der Sitzschiene abschließt – so sind alle Schrauben zugänglich. Ist der Sitz lose, nimmt man ihn einfach über die Beifahrertür heraus.

Der Ausbau des Fahrersitzes funktionert fast genauso wie der des Beifahrersitzes, mit nur zwei Unterschieden: Es gibt keinen orangen Stecker am Sitz und das Lenkrad ist im weg, weshalb man den Fahrersitz aus den Befestigungsmulden heraus hebt und dann einfach nach hinten schiebt und über die Hintertüren heraus nimmt. Damit ist die A-Klasse binnen weniger Minuten vom Fünf-Sitzer zum Null-Sitzer degradiert worden.

Nun geht es an die Verkleidungen der Befestigungsmulden der Sitze, so lange die nicht entfernt sind, lässt sich der Innenraumteppich nicht hochklappen. Die Befestigungsmulden der Vordersitze sind ungesichert und lassen sich einfach nach oben herausnehmen. Die hinteren Befestigungsmulden jedoch sind mit ein bis zwei Spreizbolzen befestigt: Zunächst muss der Nippel (Pin) des Spreizbolzens nach oben herausgezogen werden, bevor man den Spreizfuß herausnehmen kann. Der Spreizbolzen in den vorderen Befestigungsmulden der Rückbank lassen sich gut mit einem Messer erreichen:


Mit der Klinge hebt man den Nippel leicht an und zieht in dann mit einer Zange den kompletten Spreizbolzen heraus. Sollte der Nippel aus dem Spreizfuß heraus rutschen, ist das nicht weiter tragisch – in dem Fall hebt man einfach den Spreizfuß mit dem Messer an, nimmt ihn heraus und steckt den Nippel wieder in den Spreizfuß.

Bei den hinteren Befestigungsmulden wird es kniffeliger. Die Verkleidung der mittleren Mulde, die beide Rückbank-Teile verankert, ist mit zwei Spreizbolzen gesichert. An die kommt man jedoch mit einem Messer kaum heran. Deshalb habe ich einfach ein relativ dünnes Slot-Blech (die Bleche im PC, die einen leeren PCI-Einbauschacht abdecken) mit Hilfe eines Schraubenziehers unter den Nippel geschoben und damit den Nippel angehoben:


Sollte das Slot-Blech ein wenig dick sein, schleift man es einfach an oder besorgt sich aus dem nächsten Computer-Laden ein dünneres.

Die an den Türen liegenden Verkleidungen der Befestigungsmulden sind nicht mit Spreizbolzen gesichert, sondern geclipst. Auf Höhe der Haltestangen gibt es rechts und links jeweils einen Clips, den man mit einem flachen Schlitz-Schraubenzieher eindrückt. Dann kann man die Verkleidung einfach nach oben heraus nehmen.

Sind alle Verkleidungen der Befestigungsmulden entfernt, geht es dem Teppich zu Leibe. An den Ausschnitten der Befestigungsmulden lässt sich der Teppich anheben und dann zur Fahrzeug-Mitte hin aus der Nut in den Einstiegsleisten heraus ziehen. Das geht beim ersten Mal noch ein wenig schwer, man muss hier relativ kräftig ziehen. Auch unter der Mittelkonsole sollte man den Teppich hervorziehen, damit man ihn besser zur Fahrzeugmitte hin umklappen kann.

Liegt der nackte Metallboden frei, wird im nächsten Schritt die Einstiegsleiste entfernt. Auch sie ist eingeclipst, die Clipse hat Mercedes Benz aber freundlicherweise mit Pfeilen neben den Einstiegsleisten markiert:


Mit einem flachen Schraubenzieher fährt man nun exakt entlang der Pfeile in die Nut der Einstiegsleiste, in der eben noch der Teppich steckte, und löst die Clipse. Sinnvollerweise fängt man bei der Rücksitzbank an und arbeitet sich Clips für Clips nach vorne. Dabei zieht man mit den Fingern die Einstiegsleiste nach oben und wackelt ein wenig hin und her, so geht das Ausclipsen etwas leichter.

Unter der Einstiegsleiste liegt unmittelbar die schwarze Abdeckung des seitlichen Kabelkanals, auf der die Pfeile für die Einstiegsleiste eingelassen sind. Um an den Kabelkanal heran zu kommen, muss man die schwarzen Plastik-Muttern mit einer 10mm-Nuss herausschrauben, dann lässt sich der Deckel des Kabelkanals nach außen hin anheben. Wer den Deckel komplett abbauen möchte, muss zusätzlich die Türdichtungen sowie die Metallclips entfernen, die den Deckel des Kabelkanals außen fest halten – für meine Zwecke reichte es aber völlig, den Deckel nur anzuheben.

Nun wird es sehr viel anstrengender als bisher: Die hintere Seitenverkleidung muss heraus. Ganz ausbauen brauchte ich sie zum Glück nicht, es reichte, sie zur Mitte hin umzuklappen, doch das war schon schwierig genug. Die Seitenverkleidung wird an drei Punkten gehalten: Hinten durch den Haken für das Gepäcknetz, in der Mitte mit einem Spreizdübel und vorne durch den Gurt der Rückbank:


Hat man die Schrauben gelöst und den Spreizdübel mit dem Slotblech entfernt, braucht man nur noch den Haken herauszuziehen und sieht schon blankes Blech. Am besten fängt man hinten an, die Seitenverkleidung aus der Dichtung der Heckklappe und oben unter der Verkleidung für den Luftauslass heraus zu zerren. Zerren ist das richtige Wort, die Seitenverkleidung leistet erheblichen Widerstand und knackt bedrohlich – letztlich gibt sie mit viel Drücken und Ziehen aber nach.


Hat man die Seitenverkleidung bis zur Halteschlaufe der Rücksitzbank herausgearbeitet, geht man an die Hintertür und bearbeitet dort die Seitenverkleidung von unten her. Im Bereich der Hintertür sitzt die Verkleidung in drei Stahlklammern, die unmittelbar unter der Dichtung liegen. Auch sie leisten erheblichen Widerstand, sowohl beim Aus- als auch später beim Einbau.

Ganz zum Schluss hebt man die Halteschlaufe der Rückbank an und zerrt die Seitenverkleidung darunter hervor. Dies war der letzte Haltepunkt, die Verkleidung lässt sich nun unter Knacken und Ächzen zur Fahrzeugmitte hin umklappen:


Der bunte Kabelbaum kommt direkt aus dem seitlichen Kabelkanal, der schwarze Kasten unten ist die Fahrzeug-Entlüftung.

Nun kann man die neuen Kabel verlegen. Ich habe sie einfach durch die Wartungsluke für die Rückleuchten gezogen, so brauchte ich keine Löcher in die Seitenverkleidung bohren. Bis zum Kabelkanal auf Höhe der Hintertür habe ich die zwei Stromkabel einfach mit ein paar Kabelbindern an dem vorhandenen Kabelbaum befestigt. An der Hintertür angekommen, habe ich denn Deckel des Kabelkanals angehoben und die Stromkabel einfach hinein gelegt, ohne sie weiter zu fixieren. So geht es weiter bis zur Fahrertür:


Hier gibt es, mitten unter dem Fahrersitz, einen Kabelkanal zur Mittelkonsole. In dem Bild ist gut zu sehen, wie ich die beiden Stromkabel unter den Halteklammern hindurch gefädelt habe. Um auf die Beifahrerseite zu kommen, schiebt man das Kabel einfach unter der Mittelkonsole hindurch. Je nach dem, wie steif das Kabel ist, sollte man einen Holzstab zu Hilfe nehmen. Auch unter dem Beifahrersitz gibt es einen Kabelkanal, den wir jedoch nicht benötigen:


Ich habe das Stromkabel einfach an der Mittelkonsole entlang bis vorne zur Batterie gelegt. In der linken vorderen Ecke des Batteriefachs gibt es eine Lücke, durch die man die Kabel ganz einfach hindurch fädeln kann, ohne extra ein Loch für das Stromkabel zu bohren. Mit einem großen Tropfen Silikon verhindert man, dass sich das Kabel aus dem Spalt heraus bewegt, wenn man das Batteriefach öffnet.

Damit ist der Einbau fast abgeschlossen, es fehlt nur noch das Masse-Kabel. Das ist nur wenige Zentimeter lang, da direkt neben den Rücklichtern ein Massepunkt liegt, den wir einfach mit benutzen. Jetzt braucht man nur noch 4mm-Kupplungen an die Kabel anzulöten und im Batteriefach den Sicherungshalter anbringen – dann kann man das Plus-Kabel direkt an die Batterie anklemmen.

Der Zusammenbau der Innenverkleidung ist relativ einfach: Hat man den Deckel des Kabelkanals zugeschraubt, legt man den Teppich ordentlich aus und schiebt ihn unter die Mittelkonsole. Dann klappt man die hintere Seitenverkleidung in die Ursprungslage und befestigt den Abschnitt von der Hintertür bis zur Halteschlaufe für die Rücksitzbank. Dies geht wegen der drei Stahlklammern in der Dichtung sehr schwer – die Verkleidung muss aber bis zum Anschlag in den Klammern sitzen, weil sich sonst der Gurt nicht anschrauben lässt. Als nächstes setzt man die Verkleidungen der Befestigunsmulden der Rücksitze samt Spreizbolzen wieder ein, so dass der Teppich schon einmal fixiert ist. Nach dem Einclipsen der Einstiegsleiste ist der Teppich dann endgültig glatt und fest. Jetzt bleibt noch der obere und hintere Teil der hinteren Seitenverkleidung, wiederum ein Kraftakt: Man beginnt mit der Dichtung der Heckklappe und schiebt die Seitenverkleidung wieder darunter. Ganz zum Schluss drückt man von oben auf die Verkleidung, bis sie unter der Lüftungsabdeckung einrastet.

Nun muss nur noch die hintere Seitenverkleidung wieder verschraubt werden, wobei man beim Gurt aufpassen sollte, ihn nicht zu verdrehen. Beim Einbau der Vordersitze gibt es eigentlich nichts zu beachten, man sollte nur den Airbag-Stecker auf der Beifahrer-Seite nicht vergessen.


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